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Nichts tun ist besser in der Geldanlage!

Freitag, 21. Juni 2013|0 Kommentare|Finanzen/Geldanlage, Startseite

Aktiv vs. passiv investieren

In vielen Lebensbereichen sind intensive Arbeit und stetige Überprüfung der Resultate der beste Weg zum Erfolg. Beim Investieren wird dieser Ansatz auf den Kopf gestellt.

Die chinesische Philosophie des Taoismus hat ein Wort dafür: „Wuwei“ – wörtlich übersetzt: „Nichts-Tun“. Mit anderen Worten:  Je geschäftiger wir uns um langfristige Investments kümmern und je mehr wir an ihnen herumdoktern, umso seltener werden wir gute Resultate erhalten.
Das soll nicht heißen, dass wir uns überhaupt nicht kümmern sollten. Aber es bedeutet auch, dass die Kultur der „Geschäftigkeit“ und des Rendite-Jagens, die von vielen Vertretern der Finanzdienstleistungsindustrie und ihrer Medien vertreten wird, sich gegen unsere Interessen als Anleger richten kann.

 

Investieren ist eines der Gebiete, zu dem dauernde Aktivität und Kontrollzwang einfach nicht passt. Denken Sie dabei nur an jemanden, der ständig sein Portfolio überwacht, zwanghaft die Finanzsendungen im Fernsehen verfolgt und ständig Aktientipps in Finanzzeitschriften und im Internet sucht. Im Taoismus wird dem Schüler einfach beigebracht, Faktoren, die er nicht beeinflussen kann, loszulassen und sich stattdessen dem Fluss der Dinge zu überlassen. Es ist, als ob man einen Baum pflanzt. Man sucht sich ein sonniges Plätzchen mit gutem Boden und Wasser, lässt den Baum in Ruhe wachsen und schneidet ihn gelegentlich zurück. Aber nicht nur die chinesische Philosophie warnt uns vor „Geschäftigkeit“. Finanzwissenschaft und Erfahrungen im Finanzbereich zeigen, dass wir uns bei Investments lieber um Bereiche kümmern sollten, in denen wir etwas bewegen können, und uns nicht um Bereiche sorgen, die wir nicht unter Kontrolle haben.
So können wir beispielsweise weder Marktbewegungen noch Nachrichten beeinflussen. Wir haben auch keinen Einfluss auf Schlagzeilen, die uns aus dem Konzept bringen könnten.
Aber jeder von uns ist in der Lage, sein Risikoverhalten zu kontrollieren. Wir können Risiken über unterschiedliche Anlagevarianten, Firmen, Sektoren und Länder diversifizieren. Wir können auch ein Wort bei den fälligen Gebühren mitreden. Wir können Transaktionskosten beeinflussen und wir können Disziplin walten lassen, wenn uns Gefühlsimpulse vom rechten Weg abkommen lassen wollen.
Der Grund dafür, dass diese Prinzipien für viele so schwer zu beherzigen sind, liegt darin, dass das Bild zu Investments, das die Finanzmedien immer wieder propagieren, sich hauptsächlich am Kurzfristigen, an der jüngsten Vergangenheit, am Flüchtigen, am verengtem Fokus und an der schnellen Lösung orientiert.
Man macht uns glauben, dass wir bessere Resultate erzielen, wenn wir uns mehr um äußere Faktoren bemühen oder uns stärker am Lärm des Tagesgeschehens orientieren.
Zudem sind wir darauf programmiert, uns auf das idiosynkratische Risiko, wie beispielsweise glamouröse Aktien, zu konzentrieren, anstatt auf systematische Risiken wie den Grad, in dem sich unsere Portfolios an allgemeinen Dimensionen wie Risiko und Rendite ausrichten.

Letztendlich werden wir dazu gedrängt, die Maschen mitzumachen, die die Finanzmarktindustrie gerne verkaufen möchte und deretwegen wir ständig an unseren Portfolios herumbasteln sollen.
Wie man sieht, möchten uns viele Medien und Finanzdienstleister ständig in Bewegung halten – leider mit den falschen Dingen. Der Schwerpunkt liegt oft auf dem Reiz, der im ständigen Machen und Tun bzw. im Verfolgen bisheriger Renditen liegt, und nicht darauf, ein gewünschtes Endergebnis zu erreichen. Die Folge all dieser Geschäftigkeit, der fehlenden Diversifikation, des schlechten Timings und der Kurzsichtigkeit ist, dass die meisten Einzelinvestoren über die Zeit hinweg mäßige Renditen erwirtschaften. Tendenziell erreichen sie nicht einmal die Renditen, die ihnen ein einfacher Index bieten würde.
Die von der Dalbar Forschungsgruppe durchgeführte Analyse des Investorenverhaltens bestätigt das jedes Jahr. Dalbar hat ermittelt, dass in den 20 Jahren bis 2012 der durchschnittliche amerikanische Aktienfond-Investor mit seinem Ergebnis jährlich um fast 4% unter dem S&P 500 Index lag¹.
Der Grund für diese gut dokumentierte Differenz zwischen einfachen Indexrenditen und dem, was Investoren erzielen, liegt oft im individuellen Verhalten des Investors – darin, dass man ungenügend diversifiziert ist, Renditen nachjagt, schlechte Entscheidungen zum Timing trifft oder „besser als der Markt“ sein möchte².
Kürzlich tanzte einer der am häufigsten zitierten australischen Analysten aus der Reihe seiner Industrie und verabschiedete sich aus dem Spiel  dieses „geschäftigen“ Investierens. Bevor er sich auf eine Beratungstätigkeit zurückzog, schrieb der Morgan Stanley Stratege Gerard Minack im letzten Bericht an seine Klienten, dass nach seiner Feststellung Investoren oft ihre eigenen schlimmsten Feinde wären. Minack meinte: „ Das größte Problem scheint zu sein, dass man – trotz aller Dementi – annimmt, bisherige Ergebnisse wären ein guter Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.“
„Konsequenterweise fließt dann Geld eher in Investments, die gut gelaufen sind, als in solche, die gut laufen werden. Das Nettoresultat ist dann, dass tatsächliche Renditen für Investoren nicht nur deutlich unter den Benchmarks liegen, sondern auch unter den Renditen, die professionelle Investoren erwirtschaften. Das hält Leute wie mich in Brot und Arbeit.“
Ein freimütiges Eingeständnis, welches auch die uralte chinesische Weisheit bestätigt:
„Durch das Loslassen wird alles erreicht werden. Die Welt wird von denen gewonnen, die loslassen. Je mehr Du Dich aber bemühst, umso weniger kannst Du die Welt gewinnen.“

 

1)    Quantitative Analysis of Investor Behavior, Dalbar, 2013
2)    Downunder Daily, Gerard Minack, Morgan Stanley, May 16, 2013

Bildquellen

  • buy and hold Nichtstun ist besser: Fotolia: 17389878 - Geschäftsmann macht eine Pause © MaFiFo

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