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Niedrige Zinsen! Des einen Freud, des anderen Leid.

Mittwoch, 5. Juni 2013|0 Kommentare|Altersvorsorge, Finanzen/Geldanlage, Startseite

Erst kürzlich war es wieder so weit. Die EZB hat den Leitzins erneut gesenkt, jetzt auf ein neues Rekordtief von 0,5%. Durch die andauernde Rezession im Euroraum sahen sich die Zentralbanker genötigt, die ohnehin schon niedrigen Zinsen nochmals zu senken, um der insgesamt schwächelnden Konjunktur auf die Beine zu helfen. Durch das billige Geld sollen insbesondere die am stärksten verschuldeten Staaten vor dem Totalabsturz gerettet werden. Die niedrigen Zinsen werden zwar nur bedingt an die Kreditnehmer weiter gegeben, lässt dennoch die Immobiliennachfrage in Bereichen mit eingeschränktem Angebot (z. B. Innenstadtlagen) in Deutschland aufgrund der niedrigen Finanzierungskonditionen steigen, wodurch wiederum die Immobilienpreise in schwindelnde Höhen getrieben werden.

Auch die seit Monaten anhaltende Hausse an den Aktienmärkten ist durch das niedrige Zinsniveau zu erklären. Trotz schwacher Konjunkturdaten steigen die Kurse. Die Anleihemärkte sind extrem unattraktiv, so dass Banken und anderen institutionellen Investoren gar nichts anderes übrig bleibt, als in größerem Maße in Aktien zu investieren.
Für Altersvorsorgesparer könnte sich diese Zinsentwicklung, deren Umkehr kaum abzusehen ist, zu einem wahren Desaster entwickeln.

Des Deutschen liebstes Kind und langjähriges Erfolgsmodell, die klassische kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung steht vor riesigen Problemen. Nachdem der Garantiezinssatz sukzessive von vormals 4% auf aktuell 1,75% gesenkt wurde, gehen auch die nicht garantierten Überschussbeteiligungen in den Keller. Fast jeder Versicherungskunde hat in den letzten Jahren deutlich weniger an Ablaufleistungen erhalten, als ihm bei Vertragsabschluss „versprochen“ wurde. Auch in den jährlichen Statusmitteilungen und Prognoserechnungen noch laufender Verträge kassieren die Versicherer ihre Berechnungen der voran gegangenen Jahre regelmäßig. Dieser Trend wird sich noch weiter beschleunigen.

Die seit langem niedrigen Zinsen konnte die Versicherungswirtschaft noch einige Jahre auffangen, da sich auch noch sehr langlaufende mit hohen Zinssätzen ausgestattete Anleihen im Gesamtportfolio befanden. Diese laufen jedoch nach und nach aus und können nur durch Papiere ersetzt werden, die nur einen Bruchteil der Renditen einbringen. Eine drastische Änderung des Zinsniveaus ist kaum zu erwarten.

Schaut man sich die Modellrechnungen der Versicherer hinsichtlich der nicht garantierten Werte an, so findet man in den Erläuterungen immer sinngemäß den Satz: Die Berechnungen erfolgt auf Basis der heute gültigen Überschusszinssätze. Angesichts der im voran gegangenen Absatz geschilderten Zinserwartungen, sind diese Berechnungen das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Das Argument vieler Versicherungsvermittler, die klassische Lebens- oder Rentenversicherung habe sich in der Vergangenheit immer als sicheres Produkt mit tollen Renditen gezeigt ist geradezu lächerlich und zeigt von großer Ignoranz oder Unwissenheit seitens einiger Kollegen. Nach dem Fall des Steuerprivilegs, Absenkung der Garantieleistung und Angesichts der Zinsentwicklungen, ist vom Abschluss eines kapitalbildenden klassischen Rentenversicherungsproduktes nur abzuraten. Die wenigen Vorteile, die noch vorhanden sind, werden durch die vielen Nachteile mehr als vernichtet.

Bildquellen

  • EZB niedrige Zinsen: Fotolia: 35102170 - Eurozeichen und Europäische Zentralbank © kuegi

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