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Prognosen am Kapitalmarkt und ihre Aussagekraft

Montag, 2. September 2013|0 Kommentare|Finanzen/Geldanlage, Startseite

Nach einem starken Jahresbeginn, haben die Kapitalmärkte gerade wieder eine harte Zeit hinter sich. Viele Anleger haben die Befürchtung, die geldpolitischen Anreize in den USA durch die Anleihekäufe drohen zu versiegen und bewerten die Situation neu. Ist das Grund zur Sorge?

 

Nach dem sogenannten „quantitative easing“-Programm kauft die Fed jeden Monat Anleihen im Wert von $ 85 Milliarden, um das Zinsniveau für langfristige Anleihen niedrig zu halten und den Weg damit für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung freizumachen.
Ein Kommentar von Ben Bernanke, dem Präsidenten der Fed, vom 22.05.2013, wurde so gedeutet, dass die Zentralbank in ihren kommenden Sitzungen damit anfangen könnte, diese Anleihekäufe zu reduzieren. Dies hatte die Märkte verunsichert.

 

Schon die reine Andeutung, dass die Flutung der Märkte mit billigem Geld zu Ende gehen könnte, verursachte eine Neubewertung von Risiken und einen Rückzug aus den Standardaktienmärkten und denen der Entwicklungsländer. Damit einher gingen ein breiter Anstieg in Anleiherenditen und ein Rückgang auf den Rohstoffmärkten und den damit verbundenen Währungen wie dem australischen Dollar.

 

Gold wurde von den „Signalen“ der Fed besonders stark negativ beeinflusst. Der Barrenpreis fiel im zweiten Quartal um 23 % – aufgrund der Befürchtung, dass steigende Anleiherenditen und ein stärker werdender US-Dollar den Reiz von Gold als anscheinend sicherem Hafen schmälern würden.

 

Für den langfristigen Investor gibt es mehrere Betrachtungsmöglichkeiten für diese Entwicklung:

 

1.    Wir sehen hier ein klassisches Beispiel dafür, wie effizient Märkte neue Informationen einpreisen. Vor den Anmerkungen Bernankes hatten die Märkte möglicherweise eine andere Nachricht erwartet als jene, die dann kam und haben sich schnell entsprechend angepasst.

 

2.    Der Grund, warum man daran dachte, die Dosis der Politik-Medizin zu reduzieren, lag darin, dass der „Patient“ Zeichen einer Besserung zeigte. Mit anderen Worten, die Politiker sahen genügend Anzeichen eines Wachstums, um öffentlich davon zu sprechen. Das soll nun keine Prognose für die amerikanische oder die Weltwirtschaft sein, sondern nur ein Hinweis darauf, dass Politiker und Investoren die Situation neu bewerten.

 

3.    Für all jene, die jetzt Positionen in risikoreicheren Geldanlagen wie Aktien oder Unternehmensanleihen auflösen, gibt es andere, die in diesen Anlagen zu den niedrigeren Preisen langfristige Werte sehen. Die Idee, dass es mehr Verkäufer als Käufer geben könnte, ist einfach falsch.

 

4.    Der Anstieg der Anleiherenditen ist ein Signal dafür, dass der Markt im Großen und Ganzen glaubt, dass bald auch die Zinsen steigen werden. Das ist also schon eingepreist. Was als Nächstes passiert, weiß niemand. Erinnern Sie sich, als die Fed Ende 2010 mit der zweiten Runde des „quantitative easing“ begann, gab es in einem offenen Brief an die Zentralbank schreckliche Warnungen einer Gruppe von 23 Wirtschaftswissenschaftlern, die einen „Verfall der Währung und eine Inflation“ kommen sahen. Die Inflation in den USA liegt jedoch in etwa genau da, wo sie auch vorher lag und der US-Dollar ist stärker als zu der Zeit, als diese Warnungen veröffentlicht wurden. Das heißt letztendlich, dass es nicht immer klug ist, eine Investmentstrategie an den Aussagen von Experten auszurichten. Skepsis zu Prognosen am Kapitalmarkt zum wahrscheinlichen Verlauf von Anleiherenditen, Zinsen und Währungsschwankungen in Reaktion auf die neuesten Signale der Fed zahlt sich also durchaus aus. Nur weil etwas logisch erscheint, muss es noch lange nicht eintreffen.

 

5.    Beachten Sie, dass Volatilität die Menschen am meisten belastet, die sich besonders stark am Tagesgeschehen orientieren. Wer eine längerfristige Perspektive mit mehr Distanz einnimmt merkt, dass all diese Ereignisse nur Teil der Prozesse sind, nach denen die Märkte funktionieren.

 

Letztendlich hat ein einzelner Investor kaum besondere Einblicke in den Verlauf der globalen Geldpolitik, der Anleiherenditen oder in die Märkte der Entwicklungsländer, die nicht vom Markt insgesamt schon berücksichtigt und eingepreist sind.

Dem Einzelnen bleibt nur, mit der Hilfe eines kompetenten Beraters seine Emotionen im Zaum zu halten und den Blick fest auf die vereinbarten Langzeitziele zu richten. Andernfalls riskiert er, auf etwas zu reagieren, welches andere schon längst erfasst und in Erwartungen eingepreist haben und von da aus schon mit neuen Informationen weitergegangen sind.

Den Markt vorhersagen heißt auch, sein eigenes Verhalten vorherzusagen, daran lässt sich nicht rütteln.

Bildquellen

  • Die naechste Krise kommt bestimmt: Fotolia: 22816590 - die nächste Krise kommt bestimmt © Tanja

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